Tommi Yungblut
Wenn das eine seriöse Website wäre, käme jetzt ein akkurates Portrait von mir. Kontrolliertes Licht. Freundliches Gesicht. Kamera in der Hand. Möglicherweise irgendwo ein kreatives Element. Alles würde sagen: dieser Typ weiß genau was er macht.

Stattdessen siehst du einen leicht verschwommenen Typen vor glasklarem Hintergrund. Irgendwas hat sich bewegt. Möglicherweise ich. Es ist kein perfektes Bild, dafür eins mit Intention. Fotografie begann für mich nicht mit Kontrolle. Sie begann, als ich meinem Vater die Kamera klaute.

Auf einem meiner ersten Bilder sieht man ihn von unten. Model im Bild, Blitz an – nicht schlecht für einen Vierjährigen. Natürlich hatte ich keine Ahnung was ich mache. Aber ich wollte unbedingt wissen was passiert, wenn ich diesen Auslöser drücke. Diese Neugier begleitet mich seitdem.

Mit neun oder zehn schenkte mir meine Tante meinen ersten Fotoapparat – eine Digicam. In den nächsten Jahren machte ich Fotos von allem und jedem. Die Bilder waren zu dunkel oder zu hell. Auf anderen war zu viel drauf. Auf den nächsten nichts zu sehen. Dafür waren sie ehrlich. Sie zeigten Aufmerksamkeit für den Moment. Später dachte ich, um mich Fotograf nennen zu dürfen, müsste ich ein Experte sein. Einen klaren Stil und Selbstbewusstsein ohne Selbstzweifel besitzen. Das ist nie eingetreten.

Was stattdessen passierte: ich lernte weiter. Beobachtete. Verpasste wichtige Momente. Fing sie stattdessen ein, wenn ich am wenigsten damit rechnete. Ich lernte, dass die Bilder, die mir am wichtigsten sind, nicht gestellt sind. Sie leben. Sie bewegen sich. Sie entstehen etwas Abseits des Zentrums. Also, ich versuche mich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Dafür nehmen ich ernst, was vor mir passiert.

Wenn du nach Perfektion suchst, bin ich wahrscheinlich nicht dein Fotograf. Wenn du nach Bildern suchst, die echt, lebendig und menschlich sind, sollten wir ins Gespräch kommen. Ich freu mich, von dir zu hören.
